Essener Leichtathlet qualifiziert sich für Junioren-EM

Erste Erfolge der Talentakademie

Der 15-jährige Weitspringer Tamiro Klinner vom Gehörlosen Turn-und Sportverein Essen e.V. hat sich für die Junioren-Europameisterschaften in Bulgarien vom 28.06. – 01.07.2018 qualifiziert. In diesem Zeitraum wird er in Sofia im Weitsprung der männlichen Jugend U 18 antreten. Seine bisherige Bestleistung lag in der Leichtathletikhalle bei 5,48 m.

Kommendes Wochenende will er zusammen mit seinen Vereinskollegen bei den Deutschen Gehörlosen-Meisterschaften in Hannover seine gute Form bestätigen.
Bei den diesjährigen Deutschen Gehörlosen-Meisterschaften in Stadtallendorf im Februar gewannen die SportlerInnen des GTSV Essen e.V. insgesamt 9 Gold, 15 Silber und 6 Bronzemedaillen. Ebenfalls erfolgreich verliefen die Mehrkampfmeisterschaften im Mai 2018 in Frankenthal, wo vier Essener Sportler und Sportlerinnen den Sprung aufs Treppchen schafften.

Die Essener Erfolge sind erste Ergebnisse der Arbeit der Talentakademie des Gehörlosen-Sportverband NRW e.V. (GSNRW).
Seit etwas mehr als einem Jahr hat der Gehörlosen-Sportverband NRW e.V. die Talentakademie für hörgeschädigte Schüler und Jugendliche ins Leben gerufen.
Auch Tamiro Klinner ist zusammen mit 15 anderen Athleten des GTSV Essen hier im Training.
In der Talentakademie sollen Nachwuchssportler und Nachwuchssportlerinnen mit Hörminderung die Möglichkeit bekommen, in einem Umfeld zu trainieren, das ihren Bedürfnissen gerecht wird. Das Training findet hauptsächlich in Gebärdensprache statt. Haben viele Kinder bereits erste Bewegungserfahrungen in hörenden Vereinen überwiegend nach dem Modell „Vor-und Nachmachen“ gesammelt, so können sie in der Talentakademie mit ihren TrainerInnen und untereinander nun einwandfrei kommunizieren. Die Kinder erfahren ein soziales Miteinander und das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt.
Im Mittelpunkt des Trainings der 8-17-jährigen liegt eine altersgerechte Entwicklung der sportmotorischen Fähigkeiten, wobei der Fokus bei den koordinativen Fähigkeiten in den Grundfertigkeiten (Laufen, Springen, Werfen) liegt.
Zugleich wird Wert auf die Verbesserung der konditionellen Fähigkeiten (Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit) gelegt, so dass Voraussetzungen für eine langfristige Leistungsentwicklung geschaffen werden.
Der Nachwuchs hat die Möglichkeit an 3-8 Wettkämpfen bundesweit im Jahr (Leichtathletik) teilzunehmen. Dabei halten sich reine Meisterschaften für Hörgeschädigte und die Teilnahme an inklusiven und hörenden Wettkämpfen in etwa die Waage. Sportler und Sportlerinnen können so in regelmäßigen Abständen ihre persönliche Leistungsgrenze austesten.
Die sportliche Entwicklung wird von den TrainerInnen dokumentarisch festgehalten.

Die Talentakademie betreibt die Schwerpunktsportarten Leichtathletik und Fußball und möchte ein Modell zur Förderung des Gehörlosen-Leistungssports zu Wege bringen und den Nachwuchs langfristig an den Sport binden sowie auch die sportliche Leistung im schulischen Rahmen fördern.
Neben der Förderung sportehrgeiziger Kinder und Jugendlichen bemüht sich zudem die Talentakademie, neue Talente zu entdecken, sie zu motivieren und zu fördern.

Beide Angebote der Talentakademie werden von einer Diplomtrainerin, einer Sportwissenschaftlerin (Leichtathletik) und einem Jugend-Elite Trainer (Fußball) geleitet. Vor allem das Training in der Leichtathletik bietet eine sportartübergreifende Grundausbildung an, denn Laufen, Springen und Werfen sind Basiselemente vieler Sportarten. Somit haben die Jugendlichen die Chance in ihre Sportart einzusteigen für die sie sich (später) entscheiden werden.
Vereine und Schulen der Umgebung können das Angebot des GSNRW nutzen.

– Petra Klein –

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